Die Band


Pressenotizen Waldschrat

Finale der Hofer Kabarettwochen mit ,,Waldschrat''

Worzlbärschdn und ein Funken Kultur

 

HOF. - Ein Jahr lang haben sie Pause gemacht und ,darüber transpiriert, wie wir euch heut Abend inspirieren können''. Heut Abend: Das war am Freitag vor Weihnachten, als sie zum Abschluss der Hofer Kabarettwochen im voll besetzten Festsaal aufspielten. Und nicht nur spielten: Die fünf von ,,Waldschrat'' hatten, wie's ihre Art ist, auch mancherlei Schnack im Programm.
Das mit der einjährigen Pause stimmt nicht so ganz. Denn eine CD, das Opus sieben der Schräte, ist unlängst im Lärmraum Gottersdorf fertig geworden, sodass sie neues Liedgut vorweisen konnten. ,,Streng geheim'' heißt das Album - und nun wurde es öffentlich: ,,Kaaner wors'' und ,,Wos dusdn du do doo'', ,,Bananaboot'' und - ein Highlight - der lässig intonierte Blues ,,Bluß na ned so schnell''.

Das könnte ein zeitgeistiges Plädoyer für ,,Entschleunigung'' sein, ist dies aber allenfalls auf parodistische Weise. Es ist ein Lob der Faulheit im Grunde - und gehört zum schönen, auch showmäßig attraktiv inszenierten Set über die Baustelle, auf der ,,a poor die Erbet machen, und die annern schaua zu''; das sei, sagt der am Schlagzeug sitzende Bandleader Harry Tröger, gerade so wie im Konzert.

Sein Solo spielt er mit zwei ,,Worzlbärschdn'', womit er den gleichnamigen Song einleitet, dessen Refrain die - auch erotisch gebrauchsfähige - Lebensweisheit verkündet: ,,Bärschdn ist des Aanzicha, wos hilft.'' Na ja, ,,Worschtlaabla'' - militant instrumentiert - helfen manchmal schon auch. Und nicht fehlen darf, das ist klar, ,,der Sound vom Bier''.

Fress- und Sauflieder also gehören hier unbedingt dazu. Aber auch Songs über spezifisch fränkische Kalamitäten: von den Mühen des Denkens bis zu den Unbilden der Witterung - ,,Nachtfrost (auch, weil's so schön ähnlich klingt, Bofrost und Glasnost) im August''.

Nach der Pause arbeitet ,,Waldschrat'' ein Stück Bandgeschichte auf. Seit 21 Jahren gibt sie's ja schon, und nun erinnern sie sich, ,,wie des sellmol wor'', und wie es geworden ist, mit dem Schiefie zum Beispiel, für den die Anfänge vor 20 Jahren gleichbedeutend sind mit ,,vor 40 Kilo'', denn er hat seinen Schwerpunkt tiefer gelegt, mit dem positiven Ergebnis, das er nun auch optisch im Mittelpunkt steht.

In dieser ,,Zeitreise'' liegt auch der Witz zuweilen tiefer und flacher. Aber die Musik ist gut: Fetzig kann sie sein, schmusig auch. Ein vielseitiges, abwechslungsreiches Programm wird geboten, immer nah am popmusikalischen Fundus, der intelligent geplündert und aufgefrischt wird. Stimmt schon: ,,Es ist noch ein Funken Kultur in der Band.''

,,Waldschrat''-Hits von früher erklingen, abgekürzt, in Medleys aneinander gefügt und so richtig zum Mitsingen: Lou Reeds ,,Wild Side'' als ,,Neigspeit'' (auf Hochdeutsch: hineingespien). Spaß muss sein - und je derber, desto lieber ist es den Fans. Für die eingefleischten unter ihnen, die ein Spruchband mitgebracht hatten, war sowieso von Anfang an klar: ,,Schräte forever! Nie mehr Pause!''

Frankenpost Hof 12/00

Waldschrat im Deutschherrnkeller

Deep Down Oberfranken

"Die arbeitende Klasse liegt den Waldschräten sehr am Herzen. Immer wieder besingen sie, wie mit der Schwarzarbeiter-Samba, in ihren Heldenliedern jene bedauernswerten Geschöpfe, die montags nichts anderes als schnöden Broterwerb im Sinn haben. Wie gut, dass es da auch noch andere Lebewesen gibt, die vornehmlich in Oberfranken heimisch sind und dringend des Schutzes durch die Allgemeinheit bedürfen: Die Waldschräte. Wie sich einige von ihnen als oberfränkische Sumo-Ringer elfengleich auf der Bühne bewegen. Immer ein lustig Liedchen auf den Lippen und die Bierflasche in greifbarer Nähe - das macht mehr als gute Laune. 

Respekt haben Drummer Harry Tröger, Gitarrist Christof Lemberg, Bassist Michael Sommermann, Olli Graf-Goller (Keyboards) und Roland Schiefnetter (Akustikgitarre) höchstens vor heftigen Regenschauern, die den edlen Gerstensaft verwässern könnten. Bei all dem Wahnwitz fällt eigentlich schon gar nicht mehr auf, welch gute Musiker sich dort versammelt haben, die sich während eines Konzerts kreuz und quer durch die verschiedenen Stilrichtungen spielen. Und so wird aus Lou Reeds "Walk on the wild side" in bestem Oberfränkisch "Da hat doch aans neigspeit". Selbst der Begegung mit dem Schlager - "Es war im Supermarkt zwischen Joghurt und Quark" - gehen sie nicht aus dem Weg. 

Fünf CDs haben die Schräte herausgebracht und überall, wo sie auftreten, genießen sie in Rekordzeit Kultstatus, vorausgesetzt, man versteht ihr Oberfränkisch."

Münnerstädter Zeitung 06/99

,,Waldschrat'' heute in der Freiheitshalle

Die Siebte: Streng geheim!

 

Das hat schon Tradition: Mit Spaßmusik aus der Region gehen heute Abend um 20 Uhr im Festsaal der Freiheitshalle die Hofer Kabarettwochen zu Ende. Zu erleben ist ,,Waldschrat'' live; über das Konzert - für das es noch Karten an der Abendkasse gibt - sprachen wir mit Harrie alias Harry Tröger, dem Schlagzeuger und Sänger der Münchberger Band.

Worauf darf sich das Publikum freuen?

Harrie: Zunächst mal, im ersten Teil, auf Stücke von unserer neuen CD; sie heißt ,,Streng geheim''.

Was soll der Titel uns sagen?

Harrie: Dass wir Scherzbolde sind. Weil es die siebte Waldschrat-CD ist, haben wir ihr die Bestellnummer 007 gegeben. So grüßen wir James Bond in seiner geheimen Mission.

Das erste Stück heißt ,,Kaaner wors''. Will's mal wieder keiner gewesen sein?

Harrie: Wir waren's wie immer alle zusammen. Das Besondere ist, dass wir zum ersten Mal eine Studio-CD gemacht haben. Aufgenommen und abgemischt wurde sie vor ein paar Wochen im Lärmraum Gottersdorf bei Münchberg.

Eigentlich seid ihr ja eine echte Live-Band.

Harrie: Genau. Einige ,,Streng geheim''-Stücke haben wir darum auch schon live ausprobiert, zum Teil letztes Jahr in der Freiheitshalle.

Also gibt's auch ein Wiederhören?

Harrie: Sowieso, vor allem im zweiten Set. Da spielen wir eine Reihe unserer Klassiker, aber nicht immer so, wie man sie kennt. Es wird eine Art Rückblick auf 20 Jahre Waldschrat sein - so lange gibt's uns ja schon. Stilistisch ist es ein weit gefächertes Programm, vom karibischen Kinderlied bis zum Swing der 40er Jahre, vom Blues bis zur Ballade im Sechs-Achtel- Takt, mit der wir die Unbilden der heimischen Witterung besingen - ,,Nachtfrost im August''.

Instrumental gehören zum Spektrum auf der CD auch Motorsägen, Mörtelmischer und andere seltsame Dinge.

Harrie: Das sind Geräusche, die ich im Sommer täglich bei meinem Hausbau hörte. Wir haben sie im Studio gesampelt, weil wir ja gern möglichst viel Alltag einbringen. Live sägen wir aber nicht.

Ihr seid populär bei Jung und Alt. Wie schafft man das?

Harrie: Wir haben nie eine bestimmte Zielgruppe angepeilt. Als Familienband machen wir Musik für alle, vom Kind bis zum Opa. Das klappt nun schon lange und soll auch so bleiben.

Frankenpost Hof 12/00